Dr. Manfred Schneider
Vorstandsvorsitzender der Bayer AG

Vor nunmehr 100 Jahren hat Bayer als eines der ersten Unternehmen der Welt den betrieblichen Umweltschutz mit der Gründung einer "Abwasser-Commission" etabliert. Damals bewies unsere Gründergeneration Weitblick und damit auch gesellschaftliche Verantwortung - Jahrzehnte, bevor die Begriffe "Umweltschutz" und "Ökologie" im heutigen Sinne geprägt wurden.

Mittlerweile ist es für uns längst selbstverständlich geworden, in ökologischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Hinsicht verantwortlich zu handeln. Denn: Es ist uns bewusst, dass wir mit allem, was wir als Unternehmen tun, in der Verantwortung gegenüber nachfolgenden Generationen stehen. Deshalb ist und bleibt es unser Ziel und unsere Verpflichtung, unseren Kindern durch nachhaltiges, zukunftsverträgliches Wirtschaften ausreichende Optionen für ihre eigene Lebensgestaltung zu erhalten - im Sinne des weltweiten Credos von "Sustainable Development".

Nachhaltigkeit kann sich dabei nicht ausschließlich auf wirtschaftlichen Erfolg beziehen. Der Zusammenhang zwischen Ökologie und wirtschaftlicher Leistung ist allgemein anerkannt. Diesen Zusammenhang haben wir bereits 1986 in unseren für alle Mitarbeiter in der Welt verbindlichen Leitlinien festgeschrieben: "Umfassender Umweltschutz, größtmögliche Sicherheit, hohe Qualität der Produkte und optimale Wirtschaftlichkeit sind gleichrangige Erfolgsfaktoren zum Erreichen der Unternehmensziele." Heute genügt es deshalb längst nicht mehr, gute Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten. Wir müssen Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen. Denn wir wollen technologisch und wirtschaftlich in unserer Branche eine Spitzenposition einnehmen, aber auch beim Umwelt- und Gesundheitsschutz, in der Sicherheit und im sozialen Engagement Maßstäbe setzen.

Nachhaltiges Wirtschaften steht also auch für nachhaltigen Erfolg. Deshalb werden unsere Aktivitäten nicht allein an kurzfristigen Aktionen und Gewinnen gemessen, sondern auch an der weitsichtigen Verankerung ökologischer und gesellschaftlicher Prinzipien, ohne die gewinnorientiertes Wirtschaften langfristig nicht möglich ist. Wir sind sicher, dass wir nur noch mit solchen Produkten Erfolg haben werden, die sowohl den Erwartungen unserer Kunden als auch den Ansprüchen der Gesellschaft genügen. Wir wollen daher Produkte herstellen, die nicht nur einen hohen Beitrag zur Wertschöpfung im Konzern leisten, sondern auch einen "Public Value" haben. Sie müssen vielen Menschen nutzen und die Lebensqualität verbessern - bei maximaler Ressourcenschonung und minimaler Umweltbelastung. Mit solchen Produkten werden wir uns - davon sind wir überzeugt - langfristig einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Wie ernst es uns mit unserer Produktverantwortung ist, zeigt auch der Vermarktungsstopp unseres Cholesterinsenkers Lipobay® bzw. Baycol® im August 2001. Eine Entscheidung, die wir zur Sicherheit der Patienten in aller Welt getroffen haben - obwohl sie uns ganz erhebliche wirtschaftliche Einbußen beschert hat. Damit haben wir nach unserer Maxime gehandelt, die wir in unseren Leitlinien verbindlich festgeschrieben haben: "Wenn es die Vorsorge zum Schutz vor Gefahren für Gesundheit und Umwelt erfordert, ist - ungeachtet wirtschaftlicher Interessen - die Vermarktung von Produkten einzuschränken oder die Produktion einzustellen."
Die Umsetzung von "Sustainable Development" zum Schutz der Umwelt und der Sicherung sozialer Balance ist jedoch nicht allein eine nationale Aufgabe, sondern eine globale Herausforderung, an deren Bewältigung wir uns mit Rat und Tat beteiligen. Deshalb gehört Bayer zum Beispiel dem "World Business Council of Sustainable Development" an. Außerdem unterstützen wir die UN-Initiative "Global Compact" von Kofi Annan mit einer Reihe von Projekten. Dabei geht es nicht nur um zukunftsverträgliche Arbeitsplätze in unserem Unternehmen, sondern auch um Armutsbekämpfung, um das Eintreten für die Menschenrechte, den Kampf gegen Kinderarbeit, Rassendiskriminierung und viele andere Probleme. All dies sind weitere Belege für unser verantwortungsbewusstes gesellschaftliches Engagement, das bei Bayer schon lange integraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie ist.

Wir als Unternehmen sind ein Teil der Gesellschaft. Deshalb ist für uns der offene Dialog mit unseren Mitarbeitern, mit den Nachbarn unserer Werke in aller Welt, mit unseren Share- und Stakeholdern besonders wichtig. Und auch mit Kritikern. Wir sind nicht mit allem einverstanden, was sie von uns fordern oder erwarten. Aber wir lassen sie zu Wort kommen und setzen uns mit ihren Anregungen auseinander. Unser neuer "Sustainable-Development-Report" ist ein Beleg für unsere Dialogbereitschaft. In ihm äußern Vertreter verschiedenster gesellschaftlicher Gruppierungen, was sie von unserem Unternehmen erwarten. Wir nehmen diese Erwartungen sehr ernst und werden sie in unsere Überlegungen einbeziehen.