Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker
Mitglied des Deutschen Bundestages, Vorsitzender der Enquête-Kommission "Globalisierung"; Gründungspräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie; Coautor des Buches "Faktor Vier - doppelter Wohlstand, halbierter Naturverbrauch"

Eine Zeitbombe, die unaufhörlich tickt: In jeder Minute wächst die Weltbevölkerung um über 100 Neugeborene an! So werden im Jahr 2030 bereits acht Milliarden Menschen unseren blauen Planeten Erde bevölkern. Wenn dann mindestens drei, hoffentlich aber fünf Milliarden einen Wohlstand genießen, wie er heute nur knapp einer Milliarde Menschen zugute kommt, wäre damit auf den ersten Blick in etwa eine Vervierfachung des augenblicklichen Naturverbrauchs vorprogrammiert. Dies aber ist, wie leicht einzusehen ist, nicht machbar. Im Gegenteil: Wir müssen sowohl die Belastungen der Umwelt als auch den Energie-, Rohstoff- und Landverbrauch weltweit deutlich herunterfahren.

Also muss man dringend nach Abhilfe suchen. In den Industrieländern wurde innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte die Emission von Schadstoffen in die Luft drastisch vermindert, der ökologische Tod der meisten Gewässer verhindert, die überbordende Müllflut gebändigt. Unternehmen wie Bayer haben dabei eine führende Rolle gespielt. In den meisten Schwellen- und Entwicklungsländern steht diese Aufgabe noch bevor - für global operierende Unternehmen die Verpflichtung, mit gutem Beispiel voranzugehen und mittels Technologie-Transfer zu helfen.

Weitgehend ungelöst geblieben ist bisher allerdings das Problem des Energie-, Rohstoff- und Landverbrauchs. Deshalb kommt es nunmehr verstärkt darauf an, die Ökoeffizienz von Unternehmen wie Produkten zu erhöhen, das heißt, die Umweltbelastung weiterhin zu minimieren und gleichzeitig die Ressourcen-Produktivität zu erhöhen. Das sollte im Interesse eines jeden Unternehmens sein. Denn: Je weniger Ressourcen zur Herstellung eines Produkts benötigt werden, desto größer der ökonomische Vorteil. So können beide, Unternehmen und Umwelt, gewinnen!

Wenn wir mehr Wohlstand für die rapide anwachsende Weltbevölkerung wollen, ohne dass gleichzeitig der Naturverbrauch weiter zunimmt, dann müssen wir die Ressourcen-Produktivität um wenigstens das Vierfache steigern. Diesen Faktor vier zu erreichen sollte nicht schwieriger sein als die Erhöhung der Arbeits-Produktivität. Sie ist in den vergangenen zwei Jahrhunderten um mehr als das Zwanzigfache gestiegen.

Ökoeffizienz als oberste Leitlinie unternehmerischen Handelns im Sinne nachhaltiger Entwicklung zu betrachten und weitestmöglich umzusetzen ist neben der Forderung nach noch mehr sozialer Verantwortung für die Gesellschaft der berechtigte Anspruch, dem sich Bayer mit seinen weltweiten Aktivitäten stellen muss. Und ich wäre froh, wenn der Konzern - und seine Zulieferer - auch hier wieder eine führende Rolle übernähme.

 


Prof. Dr. Ernst Ulrich v. Weizsäcker

Bundestag

Institut für Klima, Umwelt, Energie (Wuppertal)